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![]() ![]() Ostern ist das wichtigste Frühlingsfest in Bulgarien. Der bedeutendste Teil davon ist die Woche vor Ostern. Diese Woche nennt man Heilige Woche. Alle Tage davon heißen Heilige Tage. In dieser Woche wird das Fasten beendet. Für jeden Tag gibt es bestimmte Regeln, die durch Traditionen und Bräuche bestimmt sind. Die ersten drei Tage (Montag, Dienstag, Mittwoch) sind zum Reinigen des Hauses, des Hofes, der Stelle zum Waschen und zum Baden der Kinder bestimmt. Diesen normalen Tätigkeiten wird eine größere Bedeutung als normalerweise gegeben. Das Ziel dieser Handlungen ist, die Gesundheit aller Familienmitglieder zu sichern. Im Rodopengebirge gehen die Kinder am heiligen Mittwoch ins Gebirge, um Felsenstorchschnabel zu pflücken und dann davon Sträußchen zu binden. Am nächsten Tag schenken sie diese den Verwandten und den Nachbarn, damit sie gesund bleiben. ![]() Perun Der wichtigste Tag dieser Woche ist der heilige Donnerstag. Das ist der erste von insgesamt 7 Donnerstagen, an denen es ein strenges Arbeitsverbot gibt. Pferdewagen und Ochsenkarren sollen nicht benutzt werden, niemand darf auf dem Feld arbeiten; es wird nicht gewaschen, gestrickt, gewebt. Beim Nichtbeachten dieser Regeln drohen Unwetter, Hagel und Donner. Das zeigt eine mögliche Verbindung zu dem slawischen Hauptgott Perun, dessen Tag vermutlich Donnerstag war. Die Verbindung wird nicht nur durch die Etymologie des altbulgarischen Verbs "per" (schlagen) begründet, sondern auch durch alle Tätigkeiten die schlagende Geräusche verursachen und deshalb vermieden werden sollen. An dem Tag färbt man die Ostereier. Das Wasser, das man für das Färben benötigt, muss am Vortag von einem jungfräulichen Mädchen ohne zu sprechen von drei verschiedenen Quellen geholt werden. Die älteste Frau in der Familie färbt die Eier. Ursprünglich waren die nur rot, aber in späteren Zeiten begann man sie auch in anderen Farben zu färben. Trotzdem ist das erste gefärbte Ei immer rot, außerdem muss das Ei, an demselben Tag von einem schwarzen Huhn stammen. Mit diesem Ei reibt man die Wangen und die Stirn der Kinder, damit sie gesund bleiben. Es wird unter der Ikone bis zum nächsten heiligen Donnerstag aufgehoben, dann wird es als Heil- und Schutzmittel angesehen. Entweder bleibt es draußen und schützt vor Unwetter oder es wird in der Nähe von Seidenraupen gelassen, um sie vor uroki (bösen Augen) zu schützen. Am Tag des heiligen Georgi wird das Ei auf dem Feld vergraben, um Regen zu rufen, aber Unwetter abzuwenden. Das frisch gefärbte Ei wird für kurze Zeit in die Sonne gelegt, damit die Sonne es "sieht". Alle Bräuche, die mit dem Donnerstagsei zusammenhängen, dienen der Ehrung des Donnergottes und der Erde. ![]() Kosunak (Osterbrot) Der Karfreitag ist einer von zwölf besonderen Freitagen, die von den Bulgaren und von den anderen Slawen geehrt werden. An diesen Freitagen muss wieder verstärkt auf Schutz vor Hagel, Krankheit und Tod geachtet werden. Sämtliche Näh- und Webarbeiten sind verboten. Es darf kein Fleisch gegessen werden und es gibt Sexverbot (wenn ein Kind an dem Tag gezeugt würde, könnte es behindert zur Welt kommen). In den vom Christentum beeinflussten Volksvorstellungen ist der Freitag ein Frauentag, gewidmet der heiligen Petka, die eine Nachfolgerin der slawischen Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin Mokoš ist. Am heiligen Samstag gehen die Frauen auf den Friedhof, zünden Kerzen an und geben den Verwandten und den Nachbarn gefärbte Eier, gekochten Weizen und Brot für die Seelen der Toten. An dem Tag knetet man Teig und bäckt kosunazi (Osterbrot). Dieses Osterbrot wird an drei Gruppen verteilt: für die Festtafel, für den Trauzeugen und andere Verwandten und für die jungen Mädchen. Das Brot kann rund mit Loch in der Mitte sein, elliptisch oder wie ein Zopf aussehen. Typisches Element von diesem Brot sind die Eier: rot oder weiß, eins, drei, fünf oder der Anzahl der Familienmitglieder entsprechend, kreuzförmig angeordnet. Die Symbolik des Brotes bezieht sich auf die Auferstehung des christlichen Gottes, der ein Nachfolger von den heidnischen Kulten der jährlich sterbenden und auferstehenden Gottheiten der Natur ist. In dieser sakralen Zeit (Heilige Woche) wenden sich die Menschen, die Bewohner der Irdischen Welt, die sich nach den mythologischen Vorstellungen in der Mitte des dreiteiligen Weltraumes befindet, an die guten und bösen Mächte des Himmels und der Unterwelt. In der Erwartung des Frühlings berufen sich die Menschen nach wie vor auf heidnische Götter und Vorgänge. Die Neutralisation alles Schlechten und das Wohlwollen des Guten wird angestrebt. Ostern feiert man immer am Sonntag. Das Datum ist zeitlich variierend (04.04. - 08.05.), abhängig von der Frühlings-Tagundnachtgleiche und dem ersten Vollmond danach. Obwohl es vom christlichen Kalender abhängig ist, sind alle Bräuche heidnisch geprägt. Dem zugrunde liegen Glauben und Vorstellungen, die mit dem Übergang vom Winter zum Frühling zusammenhängen. Diese Übergangszeit gilt als das Chaos vor der Wiederherstellung der Ordnung. Man feiert Ostern drei Tage. Alle gehen in die Kirche und bringen eine, dort angezündete Kerze nach Hause mit, die das Feuer des Neuanfangs symbolisiert. Auf der sonntäglichen Festtafel müssen unbedingt Fleisch, Eier und Osterbrot vorhanden sein. Man stößt mit den gefärbten Eiern an, dessen Ei am Ende noch ganz ist, wird die beste Gesundheit über das Jahr genießen. Die Festtafel wird über drei Tage nicht abgeräumt. An Ostern soll man zu den Trauzeugen und zu den Eltern der Frau zu Gast gehen. Man bringt Osterbrot und Eier. Wichtiges Element des Feierns sind Schaukel und hora (Volkstänze). Die Liedertexte, der dabei gesungenen Lieder handeln von mythologischen Figuren wie zmej (Drachen) und samodiva (Waldfee). In den letzten Jahren sind viele von den typisch bulgarischen Ostertraditionen verloren gegangen, trotzdem sind die meisten davon (besonders auf dem Lande)noch erhalten. Obwohl die Leute in den großen Städten vieles vergessen haben lebt die Tradition weiter, weil diese sehr wichtig für die bulgarische Nationalidentität ist. |